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Annelie Möller & Lisa Tostmann: BINGO #2 (15 Min.)

Ein Ruine aus Backsteinen. Eine hohe Mauer ohne Dach aber mit Gras.

// A brick ruin. A tall wall, roofless, grass-covered.

Eine Person sitzt auf der Mauer, den Rücken dem Publikum zugewandt.

// A person sits on the wall, their back turned to the audience.

Eine weitere Person wird sichtbar: Sie liegt halb im Gras verborgen bäuchlings auf der Mauer.

// Another person appears, lying on their stomach hidden in the grass.

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Le Lof

Annelie Möller & Lisa Tostmann: Le Lof (180 Min.)

Ein kleiner Raum, die Frontseite verglast. Fünf weiße Ventilatoren im Halbkreis. Sieben weiße Rollen weißer Plastiktüten. Eine Schere. Eine Rolle Strick.

// A small room with a glass front. Five white fans forming a semi-circle. Seven rolls of white plastic bags. A pair of scissors. A roll of string. 

Eine Person betritt den Raum, kniet nieder, wartet.

// A person enters the room, kneels down, waits. 

Die Person steht auf, schaltet den ersten Ventilator ein.

// The person gets up, turns on the first fan. 

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22 mute encounters behind a shop window / by Antje Dudek 

Everyone is invited to join me for a game. The invitation outside the gallery window reads: “Choose an action & rip off the ticket. Join me (alone). Hand me the ticket. Do not speak. Let the performance begin.”

22 encounters, 22 living images are staged in the tiny illuminated room, fully visible through the window panes. Every ticket has a different name, such as Coco Loco, Where I End and You Begin or Fantasia II, and leads to a different poetic score handed to the participant.

>>> sample scores >>>

BOXCOUNT22_fürs Web_scores Eng

The participants decide Read More

P.A.S. #44, Performance Art Studies with BBB Johannes Deimling

:::starting for an adventure:::

seite.30 is traveling to Poznan, Poland, for an intensive workshop with performance artist and educator, BBB Johannes Deimling. We are looking forward to this unique possibility to work, live, perform together for five consecutive days, and especially to Johannes’ ideas and his program.

PAS #44

A public performance is planned for Sunday, December 13, in Poznan-based Galeria Raczej. Details to follow…

Galeria Raczej

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Die Aufgabe:

„Entwickle eine Mini-Performance von max. 10 Minuten Dauer. // Betonung auf einer Handlung oder wenigen Handlungen, wobei die Bewegungsart, Geschwindigkeit oder Wiederholungsrate im Fokus der Überlegungen stehen sollte. // Material: Materialpool + alles was mitgebracht und gefunden wird // Du kannst den Inspirationshut* nutzen // Konzeptentwicklung: Stelle den Weg von der Ideenentwicklung bis zur Performance auf einer A4-Seite dar (Form frei). // Zeit für die Entwicklung bis zur Aufführung: 30 Minuten“

In zwei Stunden von der Frucht zur Idee zur Konzeptskizze zum Performanceparcours vor dem Kunstpädagogikinstitut.

Eva und Luisa bringen uns in den Genuss eines sommerlichen Workshops, in dem jede von uns spontan eine kurze Performance ersinnt – mit einem Obst der Wahl als Material. Ein paar zusätzliche Utensilien wie Papierservietten, Nadel, Zwirn stehen uns zusätzlich zur Verfügung. Die materielle Konzentration hilft dabei, sich nicht in der Auswahl zu verrennen und einen die entstandenen Mini-Performances als fragmentarische Materialrecherche. Beim Suchen und Finden von Einfällen und Bildern kann auf den fabelhaften Inspirationshut zurückgegriffen werden. Der Hinweis, möglichst wenig unterschiedliche Handlungen oder “frames” für unsere Performance zu nutzen, setzt einen weiteren Fokus auf die konkrete Bewegung und Geste.

Nacheinander führen wir die Performances auf und besprechen sie anschließend im Hinblick auf Assoziationen, den Raumkontext und die Eigenschaften der Frucht sowie ihre Wirkung in Bild und Handlung.

*Inspirationshut >>>

inspirationshut

Eindrücke unserer Mini-Performances im Folgenden >>>

Fruchtsession Eva

 

Fruchtsession Antje

Fruchtsession Marie-Luise

Fruchtsession Annelie

Aufgabe & Fotos: Luisa Franke & Eva Wohlfahrt

Text: Antje Dudek

Knock Knock Fotostreifen A Knock Knock Fotostreifen

„Knock Knock“ fordert die Schaulustigen vor den verschlossenen Türen der Galerie auf, eine Aktion zu wählen, die dann von den beiden Performerinnen Katrin Schleifring und Antje Dudek hinter dem Schaufenster in die Tat umgesetzt wird. 

„Ay Caramba“ // „Dirty Dancing“ // „Piepsi“ // „Free Willi“ // „Megafun mit Bubblegum“ //…

35 verheißungsvolle, trashige Titel bezeichnen die Aktionen, die sich auf dem Spielfeld für die Performance finden. Viele Begriffe entstammen der Popkultur der 90er, andere wecken mehrdeutige Assoziationen. Der Besucher notiert den Aktionstitel seiner Wahl auf der Galerietür. Die Performerinnen eilen zu ihrem Materialfundus. Die Aktion beginnt.

Humor, kindliche Spielfreude, Um-Die-Ecke-Denken verbinden die Aktionen, die sich hinter den  Namenshülsen verbergen. Wir lassen uns selbst beim Performen überraschen – von widerständigen Materialien und von spontanen Einfällen, durch die wir unsere vorher skizzierten Handlungspartituren variieren.

Die Fensterscheibe wird zum Interface, das Publikum und Performerinnen trennt und gleichzeitig die unbefangene Kommunikation miteinander erleichtert. Das Ereignis entfaltet sein Eigenleben: wir erleben gemeinsames Staunen und geteilten Überschwang. Stundenlang verharren Interessierte vor dem Schaufenster; berichten einander von bereits gelaufenen Aktionen oder beratschlagen was als Nächstes geschehen soll. Passanten entdecken das unerwartete Kunstevent und halten auf ihrem Weg inne. Neun Stunden später, nachdem alle Aktionsfelder „aufgebraucht“ sind, betten wir uns auf der Matratze im Schaufenster zur Nachruhe.

Autorin: Antje Dudek //  Fotografin: Sara Siegmund

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Wir 5 Frauen waren gut vorbereitet, ausgeschlafen, mit Taschen und Koffern voller zauberhafter Materialien ausgerüstet …. neugierig, etwas aufgeregt, erwartungsfroh.

Jede von uns geht einzeln ins Spielfeld. Nacheinander, immer etwas Zeit lassend. Tastend, sich einen Ort suchend, sich im Feld bewegend, sich platzierend. Erste intensive Beschäftigung mit uns selbst, dem Raum und dem Material… noch ist die Spielfläche leer, nur gefüllt mit farbigen Bonbons, Weckgläsern, einem Schirm, Post its.

… die Anfangsstunden des nächtlichen Tuns vergehen mit Experimenten, Materialerprobungen, ersten Annäherungen an die Mitakteurinnen. Viel schneller als erwartet füllen sich Raum und Wände. Erde kommt ins Spiel, der Klang von Sektgläsern erfüllt den Raum, Möhren gehen eine Ehe mit Schaschlikstäbchen ein, Kartoffeln über Kartoffeln werden geschält und bekommen eine skulpturale Form, Eier werden einem Diplomatenkoffer entnommen, eine Leiter wird gerückt, beklebt, bestiegen, gelegt, gezogen, gestoßen…. wird Aussichtsturm und Ruhepunkt. Dazwischen immer wieder Ruhe im Korb, halsüberkopf laufend eine halbe Figur im Feld oder in der Ecke stehend. In der ersten Nacht, in der einsamen Dunkelheit oft geschäftiges Tun neben Stillstand, leisem Erproben, warten, schauen, sitzen, ruhen – und immer wieder die Extrasession im kleinen schwarzen Schaufenster. Nah den neugierigen Blicken der erschrocken oder belustigt aufblickenden Passanten.

Mit dem anbrechenden Tag und den morgendlichen Zuschauern steigen unsere Energien. Der Tag bringt Kraft und Erfindungslust, Spiellaune und ein gehöriges Quentchen Übermut. Die Bodenfläche füllt sich rasant. Ein überbordendes Meer aus Plastikröllchen, Papierfetzen, weißen Tüten, Gläsern, Zuckerwürfeln und Möhren formt sich zu endzeitlichen Landschaften. Über sie hätten sich die surrealen Künstlerväter gefreut. Geschriebene Begriffe kämpfen sich jenseits semantischer Tiefgänge seriell an Oberflächen und lassen die inneren Stimmen lachen. Geballte Interaktionen zwischen den Akteurinnen zu zweit und zu dritt beleben den Raum und entfalten dynamische Szenerien. Weisse Händebündel geistern durch den Raum und dienen mal als Kopfschmuck, mal als Zauberwerkzeug. Immer wieder geht der Handlungstrend nach oben, auf die Heizung, zehenspitzenstehend, auf die Fensterbänke im Rücken des Raumes. Erhöhtes Sehen zwischen Wachsamkeit und Rückzug, pointierter Geschäftigkeit und erstarrter Pose. Stille. Einsicht und Übersicht und Aussicht. Konzentriertes Nicht-Da-Sein und dennoch sichtbar.

Immer wieder zieht es eine von uns in den schwarzen Kasten, sichtbar zu werden, die Strasse an sich zu binden, sich zu präsentieren oder gerade der Präsentation zu entgehen…

Im Hochgefühl des Machens und Erfindens füllt sich das Feld, kaum noch Platz zum Treten, Landschaft an Landschaft von barocker Vielfalt, kleine Welten, die um gegenseitige Aufmerksamkeit streiten. Farben treten heraus, bestimmen das Bild – ein orangener Eimer, eine wilde grüne Luftmatratze, ein Trichter, eine bunter Lackfarbenteller. Die Spielfläche – ein Feld der Möglichkeiten aber auch der kleinen Materialtode. Gurken versinken, Eier zerlaufen,

Jäh räumen wir auf. Die erste Schlacht ist geschlagen, nichts geht mehr.

Wir fangen in der Mitte der Zeit fast wieder vom Nullpunkt an. Leere. Ein Raum für Ideen öffnet sich. Zeit für neue Aktionen, erst minimal dann schnell, barock auch wild. Mit der Leere kommt eine zweite Chance. Der Versuch minimaler Aktionen. Leiser als vorher.

Doch (zu) schnell steigern sich wieder die Tempi. Die vielen Aktionen teilen den Raum, in ein vorn und ein hinten, ein oben und ein unten. Köpfe werden zur performativen Bühne, auf der Pflanzen und Türme wachsen.

Mit der Dunkelheit kommen die Gäste. Sie bringen Aufmerksamkeit und geben uns Energie. Jede Handlung wird bewusster, wohl auch lauter vollzogen. Die Spiellust steigt, die körperlichen Dialoge fordern uns heraus, lassen uns vibrieren… ein Pusten und Drehen, ein Stehen und Gehen, ein Suchen und Geben steht im Raum. Wo das Serielle entsteht, sich Ordnungen andeuten, flüstert die Geisteslust, zu zerstören.

Spürbares Ende naht. Das Publikum wird unruhig. Wir arbeiten auf den Höhepunkt hin. Stehen, sich drehen, tragen, sitzen. Posen und Positionierungen arbeiten auf das Ende hin, welches dann plötzlich eintritt.

Kurze Ruhe – dann brausender Beifall. Wir sind glücklich und fühlen uns wie aus der Bahn geworfen – erlöst, aber auch mit dem Mangel des Draußenseins, des Endes, des baldigen Alleinseins behaftet.

Autorin: Marie-Luise Lange