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Wir treffen uns an einem heißen Augustnachmittag am Postplatz, im Kern der Dresdner Altstadt. Dort führen wir eine Übung aus, die uns seit den “Accomplices Plot II: Performance” im Hole of Fame interessiert hat: Wir bewegen uns als Gruppe durch den öffentlichen Raum. Wir achten aufeinander, denn wir tun alle dasselbe. Wir beobachten eine Handlung des anderen und tragen dessen Entscheidung mit, ohne sie zu hinterfragen. Read More

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URBAN STORIES 2016 SAMMLUNG Fotostreifen IUrban Stories // 26.5.16 im Hole of Fame // im Rahmen des “Projeto Brasil” von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden

…. vier mit Schreibmaschinen bestückte Tische umgeben von Stühlen auf dem Bürgersteig vor dem Projektraum Hole of Fame einladend verteilt ….

begleitet von

…. Sonne, duftendem Kaffee, Plätzchen, Gummibärchen, gebackenen Blätterteigstückchen…

und dazu WIR,

die vollständige Mannschaft der Performancegruppe Seite.30 – frischgelaunt, tatendurstig, hochmotiviert, super vorbereitet – zur freundlichen Befragung der Dresdner Bürger und Bürgerinnen und ihren Gästen

Und wieder einmal galt unser Interesse der Frage:

Erzählt uns eine Geschichte aus Euerm Leben so alltäglich, absurd, unvertraut, geheimnisvoll, ungewöhnlich, amüsant, wahr, erfunden, seltsam und banal sie auch ist!

UND sie kamen, die Dresdner, die Mütter, die eigentlich überhaupt keine Zeit hatten, die neugierigen Jungens, die gern mal im Mittelpunkt stehen wollten, die Omis, die ihre Enkelkinder im Buggy vor sich her schoben, die Teenies, die endlich mal ihre Liebesgeschichte loswerden wollten. Unsere Schreibmaschinen hatten viel zu tun und so sammelten wir binnen 3 Stunden die stattliche Anzahl von 50 Geschichten ein.

Text: Marie-Luise Lange | Fotos: Lisa Tostmann

URBAN STORIES 2016 SAMMLUNG Fotostreifen II

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In der nächsten Woche bespielen wir zusammen mit ehemaligen Studierenden der Kunstpädagogik an der TU Dresden, das HOLE OF FAME in der Königsbrücker Straße 39 mit verschiedenen Performances. Seid dazu herzlich eingeladen!

Re: re: 10 Stunden

Mittwoch, 23.07.2014 // 14-24 Uhr // Marie-Luise Lange und Kristin Klein

1 Tisch, 2 Stühle, 10 Stunden. Zwei Personen sitzen einander gegenüber und sehen sich unverwandt an: Nach einem 7-stündigen Re-enactment der Performance The Artist is Present von Marina Abramović im Dresdner Kultusministerium (2012) werden Marie-Luise Lange und Kristin Klein am 24.7. nun im Hole of Fame Platz nehmen und sich für die Dauer von 10 Stunden in die Augen sehen. – Es ist ein anachronistisch anmutendes Unternehmen, das Sich-Zeit-nehmen, die völlige Konzentration auf den einen, andauernden Moment. Mit dieser Performance unterlaufen die beiden gewohnte Wahrnehmungsmuster und setzten sich aus – dem anderen genauso wie der eigenen Befindlichkeit. Interessierte Zuschauer/-innen sind herzlich eingeladen vorbeizukommen und zu verweilen.

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Freitag, 25.07.2014, 19 Uhr – Samstag, 26.07., 4 Uhr // Katrin Schleifring und Antje Dudek

Limbo tanzen, Haare kämmen, so viele Erbsen wir möglich in den Mund stopfen… Wir verbringen den Abend und die Nacht im Schaufenster des abgeschlossenen Galerieraums. Jeder Passant und Besucher kann auf einem „Jeopardy“-Spielfeld ein zunächst verdecktes Aktionsfeld bestimmen und sich überraschen lassen, welche Handlung wir im Schaufenster vollführen.

Urban Stories

Samstag, 26.7.2014 // 12 – 20 Uhr // Fanka Daneck, Marie-Luise Lange, Theresa Bennert, Kristin Klein

Dresdner Bürger/-innen erzählen ihre eigentümlichsten Geschichten und wir schreiben sie auf. Die meisten Menschen, die tagtäglich eilig oder gemütlich bummelnd durch die Strassen der Neustadt streifen, kennen wir nicht. Wir sehen sie und wissen, dass jeder von ihnen eine persönliche Geschichte besitzt und ganz individuelle Abenteuer und Erlebnisse mit sich herum trägt, aber wir kennen diese Geschichten nicht. Deshalb möchten wir am 26.7. 2014 von 12 – 20h die Passanten der Königsbrücker um einen Augenblick Zeit bitten, um mit uns ins Gespräch zu kommen. Bei einer gemütlichen Tasse Kaffee möchten wir gern die merkwürdigsten Geschichten aus dem Leben unseres Gegenübers erfahren.

Alle Dresdner aber auch Touristen sind herzlich dazu eingeladen, uns besondere Geschehnisse aus ihrem Leben zu erzählen. Auf guten alten Schreibmaschinen getippt, wollen wir diese Geschichten sammeln, um sie später in einem performativen Ereignis (wenn gewünscht anonym oder mit Namen) der Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Performance am 13.10.2012 auf dem Grundstück Hüblerstraße 9 in Dresden

Am Anfang steht immer der Wunsch etwas zu tun. Zum Beispiel mit einer eigentümlichen Ruinenfläche, die im sonst so schmucken Umfeld des Schillerplatzes in Dresden auffällt. Ein Schandfleck? Ein vergessener Nicht-Ort? Ein Freiraum für Gedankenspiele. Leere bedeutet immer auch Potenzial und die Möglichkeit, etwas anderes zu werden.

ein Ort zwischen Innen und Außen, Schandfleck und Utopie

ein Ort zwischen Innen und Außen, Schandfleck und Utopie

Die Frage nach dem Potenzial des Ortes führt nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit; meint nicht nur die verbliebenen Mauern, sondern auch die Vorstellung dieses Raumes in den Köpfen der Menschen. Daraus entstand unsere Performance-Idee. Für einen (sonnigen Spätherbst-) Tag sollte das Potenzial und die Bedeutungsdimensionen des Ortes in ihm selbst sichtbar gemacht werden.

Bevor wir unsere Idee in die Tat umsetzen konnten, musste erst recherchiert werden, wem das Grundstück gehört und ob wir für unser Projekt die Erlaubnis der Eigentümer bekommen würden. Auch stellte uns die Organisation des immensen Materialaufwandes im Vorfeld vor einige Herausforderungen.
Am 13.10.2012 begannen wir in der frühmorgendlichen Dunkelheit – gut ausgerüstet mit Kopflampen, Werkzeugen und der Erlaubnis der Besitzer – den Raum in der Hüblerstraße 9 zu säubern. Wir rissen die gewachsenen Pflanzen aus, sammelten Schutt ein und wischten die zutage tretenden Fließen. Im Laufe der Säuberung wurde es hell, erste Passanten, die ihre Frühstücksbrötchen beim Bäcker um die Ecke kauften, schauten verwundert durch die frisch geputzten Schaufenster und fragten neugierig nach. Nachdem wir mit mitgebrachten Sofa, Tischen, Stühlen, Kissen und weiteren Utensilien unser provisorisches Café eingerichtet hatten, konnten wir die ersten Besucher mit frischem Kaffee, leckeren Muffins oder einer wärmenden Suppe begrüßen.

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Mit ihnen kamen wir an der Nähmaschine für Traumkissen, an der großen Papierbahn zum Zeichnen und beim Mahlen von Kaffeebohnen ins Gespräch: Über diesen Raum, seine Geschichte, die persönlichen Erinnerungen der zufälligen Passanten an diesen Ort und ihre Wünsche für die zukünftige Nutzung. Was brauchen die Anwohner des so fein wieder hergestellten Schillerplatzes in ihrem Viertel? Dies notierten sie auf Postkarten, die wir in die Schaufenster hängten, sodass die Passanten sie von der Straße aus lesen konnten. Viele der Gespräche entwickelten sich in ganz unterschiedliche Richtungen: von persönlichen Schicksalen rastloser Existenzen, dem Leben in Dresden bis hin zur Zukunft in Deutschland. Daneben waren es vor allem Kinder, die länger bei uns blieben, malten, zeichneten, erzählten und sogar beim Kaffeebohnenmahlen halfen. Von der im Vorfeld befürchteten Ablehnung des Ungewohnten durch die gutbürgerlichen Anwohner war an diesem Tag fast nichts zu spüren. Vielmehr begegneten wir Neugier und der Bereitschaft zum Gespräch.

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Als die Sonne zu sinken begann, mussten wir unser Café wieder abbauen, welches für manchen zum Bild einer Utopie für diesen Ort und das Viertel geworden war. Wir machten die Stimmen der Anwohner zu diesem Ort sichtbar. Noch heute hängen sie im Schaufenster der nun wieder verwaisten Brachfläche und zeigen seine Bedeutung für die Menschen, sein Potenzial für die Zukunft. Auch wenn die Bebauungspläne der Eigentümer feststehen.

Im Rahmen der Finnisage der Ausstellung “terra incognita. Weltbilder – Welterfahrungen” in der Altana-Galerie der TU Dresden wurden wir als Performancegruppe eingeladen den Galerieraum zu bespielen. Vier Galerieebenen, ein großer Innenhof, viel Platz für Kreativität. In der Mitte des Raums war während der Ausstellung ein überlebensgroßes Modell eines Gehirns installiert, das Zentrum des Galerieraums und auch für uns das Zentrum der Performance.

Jede Performerin trug eine andere Farbe und jede war ausgerüstet mit verschiedenfarbigen Bändern. Nach und nach wurden von den Galerieetagen farbige Bänder heruntergelassen und am Kopf in der Mitte des Raums befestigt, bis nach 2 Stunden alle Bänder aufgebraucht und befästigt waren. Im gemeinsamen Tun entspann sich ein farbiges Netz durch den gesamten Raum, jeder Punkt des Raums wurde mit dem Zentrum verknüpft. Netzwerk – im Kopf, am Kopf, im gesamten Raum. Eine Visualisierung von Verknüpfung, gedanklicher Art. Und ein unabdingbares gemeinsames Tun der Performerinnen. Absprechen, kooperieren und das Netzwerk gemeinsam entstehen lassen.

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[6.8.2010, Hbf Dresden. PerformerInnen: Sabine Alex, Helene Cersovsky, Franka Daneck, Stefanie Kaestner, Katharina Kastl, Herdis Kuhne, Marie-Luise Lange, Sophia Pontius. Dauer: ca. 3 – 4 h.]

Zehn Performerinnen trugen im August 2010 von Dresden Pieschen einen Holzesstisch zum Dresdener Hauptbahnhof. Dabei hatten sie während des ca. einstündigen Marsches die dazugehörigen Stühle auf den Rücken geschnallt.
In der Eingangshalle des Hauptbahnhofes angekommen, wurde der Esstisch mit Geschirr, Besteck, Früchten, Getränken, Kuchen, Brot, Käse etc. gedeckt. Für ca. 2 Stunden nahmen die Performerinnen im Trubel der Reisegäste des Bahnhofs die Getränke und Speisen in Zeitlupentempo zu sich. Schließlich wurden das Geschirr, Besteck und Essen verstaut, die Stühle geschultert und der Esstisch aus der Bahnhofshalle getragen.

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Fotos: KuPädFak TU Dresden

Intentionen und Inhalte der Performance:

> der Gegensatz zwischen Hektik und Eile an einem Ort wie dem Hauptbahnhof UND einer Handlung – dem Speisen – die minutiös zelebriert wird. Dabei geht es um die Bewusstmachung des Bahnhofs als Durchgangs- und Transitort, wo man auf Betriebsamkeit und Hektik aber auch auf Warten und das Füllen von Zeitlöchern trifft. Es geht um die Reflexion der Themen Raum und Zeit und deren extremer Dynamisierung und Entfremdung in unseren westlichen Gesellschaften.
> das Zeigen einer genüsslichen Mahlzeit mehrerer Menschen, die sich gemeinsam um einen Tisch versammelt haben – so wie es früher Gewohnheit war und heute dank Fast-Food und komplizierter gewordenem Familien- und Arbeitsleben seltener üblich ist; ein Essen, bei dem gegeben und genommen, geschenkt aber auch gespielt wird; dadurch kann „Gemeinschaft“ erlebbar werden