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Monthly Archives: September 2013

Im Juli trafen wir uns nicht wie gewohnt im Keller des Blauen Hauses, sondern in Dresden-Plauen. Jeder der sechs Teilnehmerinnen hatte eine 3-minütige Performance zum Thema „Abstoßen – Loslassen – Verschlanken“ vorbereitet, welche hier vorgestellt werden sollen.

„Goodbye Teddy“

Abschied nehmen,

Schutzfolie abziehen,

und den Teddybären niederstechen…

den Schmerz spüren

die Wunden vernarben lassen

neue Haut bilden

und sowieso Neuanfangen

Altes Abstoßen, Loslassen, Verschlanken…

Annika kommt in den Raum, legt ihre Hose ab. Um das rechte Bein hat sie eine transparente Folie gewickelt. Schicht für Schicht zieht sie die Schutzfolie ab. Ihr Oberschenkel ist über und über mit Heftpflastern bedeckt. Ein Teddybärenmotiv … so wie man es von früher kennt. Eins nach dem anderen reißt sie ab. Auf der nackten Haut bleibt ein Muster zurück. Druckspuren oder Kindheitsnarben…? Auf dem Fußboden entsteht aus Pflastern und Folie ein neues Muster: Ein Messer – die Spitze zeigt auf uns…

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„BB“

Kaugimmikauend, mit übertrieben schmatzenden Geräuschen, eine große Sonnenbrille im Gesicht, kommt  Kristin in den Garten. Dort steht ein alter hölzerner Stuhl. Kristin trägt mehrere Plastiktüten bei sich. Sie schüttet deren Inhalt mit großen, ausladenden Bewegungen aus: Bunte Schals, Pullover und Tücher verteilen sich im Gras. Sie nimmt die Sonnenbrille ab, hebt einen Pullover auf, bindet ihn um den Kopf. Dann hebt sie den nächsten auf, macht einen weiteren Turban. Stoff um Stoff bindet sie sich um. Kopf um Kopf setzt sie sich, kaugummikauend und schmatzend, auf.

Erst als sie fertig ist, spuckt sie den Kaugummi aus: Sie setzt sich auf den Stuhl, schmückt sich mit einer riesigen Perlenkette; sie holt eine blaue Banane hervor, schält sie und isst. Dabei kaut sie mit weit offenem Mund und zelebriert die Prozedur. Als sie fertig ist, wirft sie die blaue Bananenschale über ihre Schulter und geht.

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„Never, never, never“

 manchmal da blättere ich in den alten Geschichten

manchmal da ruh ich mich aus

auf den Büchern meiner Vergangenheit

aber manchmal will ich die Zeit auch abreißen

in Kartons packen

und losschicken

mich im Kreis drehen

um von mir selber frei zu sein…

Im Raum steht ein Topf mit stark duftenden Kamillenblüten und ein auf Büchern ruhender Schemel. Marie-Luise betritt den Raum und setzt sich auf den Stuhl, lässt die Füße baumeln, blättert in den alten Geschichten und liest Satzfetzen aus ihren alten Terminkalendern vor. Dann steht sie auf. Sie stellt den Stuhl an die Seite. Sie beginnt zu packen. Buch für Buch stapelt sie auf braunem Papier. Sie wickelt alles in einem Paket zusammen. Um das Bücherpaket flicht sie ein Seil. Sie dreht sich im Kreis…

Marie-Luise trägt einen leuchtend roten Lippenstift auf und färbt mit diesem auch das Paket ein. Mit Lauchzwiebeln und Rosen schmückt sie das Päckchen. Sie bindet sich mit roten Seidenband Silberlöffel an die Füße. Sie nimmt das Päckchen in die Arme und steigt die Treppe hinab, wobei die Silberlöffel melodiös klirren; sie geht nach draußen. Zum Schluss legt sie das Paket in einen alten Sandkasten und geht davon.

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„Abschluss“

Franka, steht vor uns, sie sieht ein bisschen wie ein Zauberer auf dem Jahrmarkt aus; vor ihren Füßen liegt ein alter Koffer. Nacheinander holt sie bunte Luftballons heraus, bläst sie auf und reiht sie zusammen an eine Schnur. Dann kommt Feuer ins Spiel. Sie legt die bunte Ballonkette auf den Boden, gießt Benzin auf das Kinderspiel. Einige Ballons platzen. Danach nimmt sie ein Feuerzeug: das Feuer läuft die Schnur entlang und auch die letzten Ballons sterben.

„Rot 0,3333333333333“

Auf den Boden liegt ein langer, großer Bogen Papier: Jackson Pollock trifft Ketchup. Lisa-Marie und Action-Painting … Rote Strukturen entstehen, verlaufen, werden verwischt, auch überdeckt und entstehen erneut.

 

Autorin: Lisa-Marie Richter

Fotos: Theresa Bennert

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