ReVision

Performance im Rahmen der Ausstellung „Schwerpunkte und Leichtlinien“ am 2.4.2012

Kürzungen. Streichungen. Stellenabbau: Das Kultusministerium in Dresden trägt zu einer sächsischen Bildungs- und Kulturpolitik bei, die in dieser Performance auf den Prüfstand gerät.

ReVison besteht aus sieben verschiedenen Teilakten, die nacheinander einsetzen und zeitweilig parallel laufen, sodass sie untereinander komplexe Beziehungen ausbilden. Jede einzelne Performerin setzte sich im Vorfeld mit der Problematik der “Bildung/Kultur als sinkendes Schiff“ auseinander und entwickelte dazu eine Handlung in ihrer eigenen Formsprache.

Zur Vernissage der Ausstellung Schwerpunkte und Leichtlinien des Fachbereichs Kunstpädagogik der TU Dresden fand die Performance am 2.4.2012 zwischen den Ausstellungsexponaten im Atrium des Kultusministeriums statt.

Foto: Sara Burkhardt

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Performerinnen: Maria Lemke, Theresa Bennert, Linda Straumer, Kristin Klein, Carolin Müller, Marie-Luise Lange, Lisa Klotzsche

# Akt 1

Maria liest die Szene der Teerunde beim Hutmacher aus Alice im Wunderland vor. Sie hält dabei selbst eine Tasse in der Hand, die bis zum Rand mit Sirup gefüllt ist. Während sie liest, nimmt sie große Schlucke aus der Tasse; der Sirup quillt ihr beim Sprechen aus dem Mund und verteilt sich über ihre Kleidung und den Boden.

# Akt 2

Rese hatte Besucher und Ministeriumsangestellte im Vorfeld auf ihre Wünsche in den Bereichen Bildung und Kultur hin befragt und diese auf kleinen Zetteln dokumentiert. In ihrer Performance löscht sie – gekleidet wie eine Putzfrau – die gesammelten Begriffe, indem sie die Zettel auf einem Waschbrett über einem Zuber ausbürstet, bis davon nur noch kleine Fetzten übrig sind. Diese werden zum Trocknen säuberlich auf einer Wäscheleine befestigt.

# Akt 3

Linda verschließt winzige Modellfiguren in 100 Umschlägen, die sie zuklebt und anschließend mit einem Stempelabdruck eines leeren Rahmens versieht. Einige Umschläge verteilt sie an Zuschauer.

Foto: Sara Burkhardt

Foto: Sara Burkhardt

# Akt 4

In einem kurzen, schwarzen Kleid und mit mehreren klappernden Nettotüten in beiden Händen tritt Kristin dem Geschehen bei. Sie entleert die Tüten, in denen sich zwei Dutzend Bierflaschen befinden und stellt diese vor sich auf. Mit einem Messer schneidet sie zwei der Tüten an der Unterseite auf und zieht sich diese anstelle des Kleides über. Ihre Lippen bemalt sie übertrieben mit einem grellen Rot. Den Tüten entnimmt sie eine Burger-King-Krone, die sie sich aufsetzt und ein Laib Brot, den sie im Arm hält. Eine der Bierflaschen zerschlägt sie mithilfe eines Hammers in der unteren Hälfte und richtet den zerstörten Rest wie eine Fackel in die Höhe. Sie bleibt eine Minute lang als Mahnmal stehen und verlässt dann den Aktionsort.

# Akt 5

Carolin füllt sieben verschiedene große Einweggläser mit sieben unterschiedlichen Gegenständen, darunter der Hamlet, eine ACDC- Biografie, Bibelzitate, ein Ball und eine feministische Grafik. Anschließend bedeckt sie alle Dinge mit sandähnlichem Paniermehl und verschließt die Gläser. Diese reiht sie in Richtung des Publikums auf.

# Akt 6

Ein mit Wasser gefülltes Aquarium steht verdeckt auf dem Boden des Atriums. Marie-Luise nähert sich diesem mit zwei Tüten in den Händen. Den Tüten entnimmt sie verschiedene in Zeitungspapier gehüllte Objekte und packt diese aus: Brot, Fleisch, farbige Spielzeugsoldaten. Sie schneidet Brot und Fleisch in kleine Teile und befestigt sie genauso wie die kleinen Figuren auf Styroporplatten, die sie auf der Wasseroberfläche im Aquarium schwimmen lässt. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrere Male – auspacken, schneiden, befestigen, schwimmen lassen.
Mit einem Fön erzeugt Marie-Luise Wellen, die die Gegenstände in Bewegung versetzen. Aus einer der Tüten holt sie vier transparente Schläuche, welche sie nacheinander ins Wasser eintaucht. Sie sorgt dafür, dass das Wasser durch die Schläuche aus dem Aquarium rinnt. Es bahnt sich ungehindert seinen Weg durch das Atrium des Kultusministeriums.

# Akt 7

Mit einer elektrischen Zahnbürste verteilt Lisa den Inhalt mehrerer Tuben Zahnpasta nach und nach in die Fugen des gefliesten Atriumbodens. Sie arbeitet die Zahnpasta gewissenhaft ein, bis alle Tuben aufgebraucht sind. Dabei bewegt sie sich kniend durch das Publikum, welches ihr ausweichen muss. Sie hinterlässt eine krustige Spur, die sich mitten durch die Ausstellung zieht und bis zum Ende bestehen bleiben wird.

Foto: Sara Burkhardt

Foto: Sara Burkhardt

Autorin: Kristin Klein

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